Lost in Space ist ein Thema, das seit der Fernsehserie von 1965 immer wieder in Science-Fiction-Filmen und -Serien aufgegriffen wird.

Nach dem nicht ganz so erfolgreichen Film von 1998 und der von Fans und Kritikern gut angenommen Serie, die bei uns auf Netflix läuft und wahrscheinlich zu Weihnachten 2020 die dritte und letzte Staffel bekommen soll, gibt es auch seit 2016 eine Manga-Version dieses Themas, das 2019 zu einer Anime-Serie adaptiert wurde – Astra: Lost in Space (Kanata no Astra)

Seit 24. Juli 2020 gibt es diese jetzt auch als Blu-Ray in deutscher Sprache von LEONINE. Wie schlägt sich diese Version der Suche nach der Heimat?

The Story so far

Die Geschichte beginnt in einem Raumhafen. Areis Spring ist ein schickes Mädchen, das fast nicht richtig gepackt hat und es fast nicht rechtzeitig zu ihrem Campingausflug mit anderen Schülern – im Grunde das Science-Fiction-Äquivalent der Outdoor School – geschafft hat. Am Weltraumhafen selbst wurde ihre Tasche fast gestohlen, bis sie von einem Mann namens Kanata gerettet wurde, der für eine Weile von der Polizei des Weltraumhafens sofort weggebracht wurde.

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

Mit der Gruppe namens B5, nachdem Kanata seine heldenhafte Rückkehr vollzogen hat, begeben sie sich alle auf ein Raumschiff, um fünf Tage lang zum Planeten McPa zu fliegen. Leider läuft nicht alles wie geplant. Die Teenager wurden sofort von einer Wurmloch-Kugel eingesaugt und außerhalb eines mysteriösen Eisplaneten ausgesetzt. Um diesen kreist ein Schiff, welches von den Jugendlichen in Besitz genommen wird.

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

Dieses Schiff verfügt über einen FTL-Antrieb für systemübergreifende Sprünge und einen Anti-Grav-Antrieb für intrasystembezogene Reisen, mit dem sie in wenigen Wochen nach Hause kommen könnten. Es verfügt jedoch über keinerlei Materieherstellung und begrenzte Wasserrecyclingsysteme. Wenn die Kinder also nach Hause kommen möchten, müssen sie auf dem Weg mehrere bewohnte Welten finden, damit sie sich wieder versorgen können, also nicht an Hunger oder Dehydration sterben. Es wird all die Fähigkeiten dieser Kinder und ihrer verschiedenen Talenten erfordern, um ihren Weg nach Hause zu finden. Warum ist ihnen das passiert? Könnte es wirklich ein Unfall gewesen sein – oder ist etwas viel Unheimlicheres los?

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

Wer, wie, was?

Die Geschichte besteht hauptsächlich aus neun Charakteren, und jeder unterscheidet sich in Aussehen und Persönlichkeit, so dass es leicht ist, sie auseinander zu halten. Dies ist auch deshalb wichtig, weil man schnell festszellt, dass ihr Make-up etwas Eigenes hat: Zack hat bereits einen Kapitänsschein, Kanata ist ein Weltklasse-Athlet, Aries hat ein fotografisches Gedächtnis und so weiter. Auf Anhieb erfährt der Zuschauer auch, dass Kanatas, Zacks und Quitteries Eltern berühmt sind.

Je mehr im Verlauf dieser Geschichte enthüllt wird, desto mehr muss man sich fragen, was wirklich los ist.

Mit Anleihen, nicht nur an die oben angegebene Serien und Filme, möchte Astra: Lost in Space keine reine Anime-Version dieser sein. Grundsätzlich ist die Serie eine Kombination aus einem Mysterium und einer Abenteuer-/Überlebensgeschichte, und das ist ein Hybrid, der sehr gut funktioniert. Der Abenteuerteil der Geschichte kombiniert einen unbeschwerten Sinn für Komödie mit dem Nervenkitzel, unbekannte Planeten zu erkunden und ihre Freuden und Gefahren zu entdecken.

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

Der Anime hat einen guten Touch mit Landschaften und Umgebungen. Sie fühlen sich sowohl erforschenswert als auch beängstigend an. Der mysteriöse Teil hingegen ist viel emotionaler und zeigt viel Dunkelheit. Dies steckt nicht nur hinter der Idee, dass jemand diese Kinder loswerden wollte, sondern auch das warum. Während jede Person ihre Geschichte erzählt, sieht man Kinder, die von Eltern vernachlässigt werden, die ihre Geschwister oder Jobs bevorzugen, Kinder, die absichtlich heruntergespielt wurden, um den Ruhm ihrer Eltern nicht zu beeinträchtigen, und Kinder, die sich einfach weigerten, in die Fußstapfen von Mama oder Papa zu treten, und sie verärgerten.

Und weiter?

Aus produktionstechnischer Sicht ist Astra: Lost in Space unglaublich solide. Alle Charaktere erhalten einzigartige Charakterdesigns und Raumanzüge, alle unterschiedlichen planetarischen Hintergründe sind lebendig und voller Leben, und die Innenseiten des Astra fühlen sich nach einer Weile sehr heimelig an. Alle Charaktere bewegen sich auch auf unterschiedliche Weise, wie Kanata, der herumläuft wie der Turner, der er zum Beispiel ist. Der Anime gibt immer eine kleine Zeitspanne für solche Charakteraktionen, sodass man z.B. sieht, wie die Crew ein Raumseil findet und andere Aktionen ausführt, um sicherzustellen, dass Kanata auf irgendeine Weise an das Schiff gebunden ist, damit er zurückkehren kann.

Gleiches gilt für alle Pflanzen und Tiere, die auf Fremdplaneten auftauchten. Für die kurze Zeit, die die Besatzung auf Planeten verbringt, fühlte sich jeder dank der Anstrengungen, die in die Produktion von Astra gesteckt wurden, lebendig an.

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

Guck, mal! Ich kann laufen!

Animatorisch bringt Astra einen gewissen Flair der Vergangenheit mit sich. Im Gegensatz zu den immer beliebter werdenden CGI-Animationen zeigt die Serie ein erfrischendes gezeichnetes Erlebnis  dass den Zuschauer mit einigen Animationsphasen weniger erfreut. Man wird an einige alte Anime-Serien erinnert, wie zum Beispiel Captain Future.

Alles schön? Nein, nicht nur

Wenn es ein Problem mit der Serie gibt, ist es das, dass sie entweder zu lang oder zu kurz ist. Warum? Weil die Macher von Astra: Lost in Space entschieden haben, dass nur die eine Hintergrundstory hinter den Charakteren nicht ausreicht, und versuchte, eine übermäßig ausgefeilte Geschichte zu erstellen, die auf der Wurmlochtechnologie basiert, die von Zeit zu Zeit auftaucht.

Deutsch? Aber sicher!

Die deutsche Version hat einige wirklich exzellente Synchronsprecher, die ihre jeweiligen Charaktere einfangen. Tobias Kern bringt Kanata hervorragend auf den Bildschirm. Er hat das passende Charisma, um ein Führer zu sein, und leistet hervorragende Arbeit darin, wie er es irgendwie zusammenhält, basierend auf seinen persönlichen Erfahrungen und seinen Motivationen. Marcia von Rebay als Aries Spring porträtiert sie meisterhaft als einen normalen Teenager, der ebenfalls bescheiden ist. Auch Leonard Hohm als Zack lässt einen glauben, dass er weiß, was er als Schiffspilot tut, und das Vertrauen, das er in sein Navigationswissen hat. Luca wird gesprochen von Mio Lechenmayr, der einen großartigen Job darin macht, den Charakter darzustellen, für den dieser steht (auf den nicht näher aufgrund von Spoilern eingegangenwerden soll).

Natürlich gibt es die Option, die Originalstimmen hören zu können. Diese sind: Yoshimasa Hosoya (Kanata Hoshijima), Inori Minase (Aries Spring), Shunsuke Takeuchi (Zack Walker), Tomoyo Kurosawa (Quitterie Raffaelli, dt. Jaimee Lau), Hina Kino (Funicia Raffaelli, dt. Liv Wagener), Risae Matsuda (Luca Esposito), Kōki Uchiyama (Ulgar Zweig, dt. Yannick Forstenhäusler), Saori Hayami (Yun-Hua Lu, dt. Anna Ewelina) und Nobunaga Shimazaki (Charce Lacroix, dt. Johannes Wolko).

Was bekommt der Zuschauer?

Die erste Disc beinhaltet die Folgen:

01. Planet Camp
02. Wilderness
03. Meteor
04. Star of Hope
05. Paradise
06. Secret

Wer Fan von Anime-Soundtracks ist: der Titelsong star*frost wurde von nonoc eingesungen und verabschiedet wird man mit Glow at the Velocity of Light von Riko Azuna.

Die deutsche Verkaufsausgabe der Blu-Ray enthält ein 24seitiges Special-Booklet.

© Shinohara Kenta/Shueisha, ASTRA LOST IN SPACE COMMITTEE

 

Weltraumcamp wird zur Bewährungsprobe

74%
74%
Erstaunlich nahe an der Manga-Vorlage

Es sind nicht die kompliziertesten Reisen, auch wenn diese kraftvolle und bedeutungsvoll sind. Lange und komplizierte Bögen sind nicht erforderlich, damit sie sich real anfühlen. Quitteries Reise, um zu lernen, wie man mit anderen Menschen und ihrer Schwester Funicia in Kontakt kommt, ist ziemlich befriedigend, da sie immer von ihrer Mutter weggestoßen wurde. Zu sehen, wie sie und Aries normalerweise miteinander interagieren, ist eine solide Sache. Yunhua lernte, Vertrauen in sich selbst und ihren Gesang zu haben, war einfach, aber auch bedeutungsvoll. Ulgar Bogen schob sich an seiner Angst vorbei, langsam besser zu werden und Luca die Leute wissen zu lassen, dass er/sie intersexuell sind, ist auch gut integriert ohne gekünstelt zu wirken.

B5 besteht halt aus Teenagern, die sich wie Teenager verhalten.

Auch wenn es hier und da einige Längen gibt, ist Astra: Lost in Space Vol. 1 ein Science-Fiction-Anime, das jeden hineinziehen sollte - sogar Science-Fiction-Fan-Veteranen und macht Freude auf die nächsten Folgen.

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  • Story
    8
  • Synchronisation
    8
  • Musik
    7
  • Animation
    7
  • Specials
    7
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Seit den Tagen des Atari 2600 Video-Spiel begeistert. Star Wars und Star Treck Fan. Erster Anime: Captain Future.

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